Manfred Lukaschewski
Manfred Lukaschewski, langjähriger Leiter einer Mordkommission, ist heute als Autor unterwegs. Auf der BUCHBERLIN-Akademie wird er im Februar darüber berichten, welche Fehler häufig in Kriminalfilmen und -Büchern gemacht werden und wie diese vermieden welchen können.
Wenn du nur ein Buch auf eine einsame Insel mitnehmen dürftest, welches wäre das?
Wenn es auch ein mehrbändiges Buch sein darf, dann den 24-bändigen Brockhaus.
Wie kommt man als Kriminalrat a.D. auf die Idee, Bücher zu schreiben?
Die Idee, Bücher zu schreiben, hatte zwei Grundgedanken. Zum einen bin ich der Ansicht, dass Wissen Allgemeingut ist und jedermann und -frau zugänglich sein muss. Auf Grund meiner Ausbildung und den jahrelangen Erfahrungen in der Mordkommission hat sich da einiges angesammelt, und das muss raus.
Zum anderen kämpfe ich seit vielen Jahren um die Wiedereinführung der akademischen Ausbildung von Polizisten im gehobenen Dienst in Deutschland, die 1994 durch einen Handstreich des Berliner Senats an der Humboldt-Uni zu Berlin eingestellt wurde. Die derzeitig schlechte Qualität der Mordermittlungen hat eindeutig ihre Ursachen in der schlechten Ausbildung der aktiven Ermittler. Meine Fachbücher können da vielleicht zumindest ein bisschen gegensteuern.
Außerdem macht es mir viel Freude, in der Literaturszene unterwegs zu sein und mein Wissen auch mit Kriminalistik-interessierten Laien zu teilen.
Was genießt du an deinem bunten Alltag als Kriminalexperte und Autor besonders?
Vor allem das Interesse „meines Klientels“ an authentischer Darstellung der Arbeit einer Morduntersuchungskommission (MK). Das sind sicher in erster Linie Autoren und Autorinnen aus dem Krimimillieu, aber auch immer wieder und immer öfter Polizeiausbildungseinrichtungen. Natürlich gibt es ausgesprochene High-Lights, z.B. die jährlich stattfindende Crime-Cruise auf der Fähre von Hirtshals (Dänemark) über die Färöer-Inseln nach Island (https://crime-cruise.de/) oder der enge Kontakt zu den Mörderischen Schwestern in vielen Regionen des deutschsprachigen Raums.
Was war der verrückteste Moment in deiner Laufbahn?
Ende der 70er passierte im Metropol-Theater ein tödlicher Unfall, und es war nicht klar, ob fremde Hand im Spiel war (letztendlich war es tatsächlich ein Unfall). Wie bei jeder Vernehmung wurden alle Zeugen des Vorfalls vernommen, unter anderem auch die Damen des gesamten Metropol-Balletts. Diese hübschen Ladies hatten zum Sachverhalt eigentlich wenig zu sagen, betonten aber jede für sich, dass sie doch die hübscheste sei. Einige „verfolgten“ mich noch Tage nach dem Unfall bis ins Präsidium (damals war ich noch viel hübscher als jetzt, allerdings auch frisch verheiratet), um mir ihre Schönheit zu preisen.
Worauf freust du dich bei deinem Vortrag in der BUCHBERLIN-Akademie am meisten?
Das ich aktiver Teil der BUCHBERLIN sein darf.
Wöchentlich laufen im Fernsehen dutzende Kriminalfilme und -serien, täglich erscheinen neue Kriminalromane. Aber entsprechen die Begriffe und Abläufe tatsächlich der Realität?
Unser Kriminalistik-Experte Manfred Lukaschewski wird am 29. Februar in der BUCHBERLIN-Akademie darüber berichten, welche Fehler häufig in Filmen und Büchern gemacht werden und wie diese vermieden welchen können. Er erklärt die Strukturen deutscher Polizeibehörden, Standardabläufe und korrekte Begriffe. Außerdem verrät er, wo sich Schreibende und Verlage bei Detailfragen informieren können. Hier könnt ihr buchen: BUCHBERLIN-Akademie
Danach werdet ihr Krimis mit anderen Augen lesen oder sehen - und selbst bessere schreiben, verlegen oder lektorieren.