Florian Stern, BUCHBERLIN-Akademie-Schreibcoach
Wenn du nur ein Buch auf eine einsame Insel mitnehmen dürftest, welches wäre das?
Puh – fies. Vielleicht Unendlicher Spaß von David Foster Wallace oder aber Don Quijote. Die sind beide sehr lang und unglaublich gut.
Muss bzw. kann man Schreiben wirklich lernen?
Natürlich muss und kann man das lernen. Ich kann bis heute nicht verstehen, warum diese Frage überhaupt gestellt wird.
Schreiben als Kunstform hat etwas Magisches. Da gibt es Momente schier unerklärlicher Schönheit. Das würde ich unterschreiben. Das Gleiche passiert doch aber auch, wenn wir jemanden tanzen sehen, wenn jemand mit Leichtigkeit über die Tasten eines Klaviers huscht oder mit nur wenigen Bleistiftstrichen eine ganze Szene sichtbar machen kann. Trotzdem hören die Tänzer:innen, Musiker:innen und Zeichner:innen in meinem Umfeld deutlich seltener die Frage, ob man ihre Kunst, ihr Handwerk denn erlernen könne.
Schreiben als Fähigkeit braucht Übung, Geduld, viel Ausprobieren und manchmal eben auch einen produktiven Anstoß von außen. Damit kann die Magie nicht garantiert werden, aber ohne den Lernprozess wird es ganz schwierig mit der Schreib-Magie.
Was sind deine größten Herausforderungen im Alltag als Ghostwriter und Schreibcoach?
Da gibt es diesen Spagat zwischen mir, meinem Gegenüber und dem Text zwischen uns. Mir ist wichtig, dass ich nicht zu viel von meinen eigenen Vorlieben an den Text oder die Geschichte von jemand anderem herantrage. Es ist und bleibt der Text, die Geschichte der Autorin oder des Autors.
Dabei gibt es für mich immer eine Menge zu lernen und oft die Perspektive zu wechseln. Das ist nicht ganz leicht, aber auch sehr bereichernd.
Was war der verrückteste Moment deiner Berufslaufbahn?
Für den Podcast „DerFunke“ habe ich Storytelling-Workshops mit kompletten Laien im Erzählen gemacht. Jeder musste eine Geschichte aus seiner Biografie mitbringen und die haben wir dann gemeinsam beleuchtet, als wären es Kurzgeschichten. Das war ein ziemliches Risiko für alle Beteiligten. Da gibt man ziemlich viel von sich preis.
Ausnahmslos alle Teilnehmer:innen waren warm und offen im Umgang mit den Geschichten der anderen. Nach den Workshops und den anschließenden Aufnahmen im Tonstudio sagte ein 80jähriger Mann, er könne sich gar nicht vorstellen, dass wir uns jetzt alle lange Zeit nicht sehen würden. Er hätte doch eher Lust, mit uns einen VW-Bulli zu mieten und an die Ostsee zu fahren.
Nach einem ganzen Wochenende Arbeit waren wir dafür ein bisschen zu schlapp, aber verstanden haben wir den Gedanken alle.
Worauf freust du dich auf der BUCHBERLIN am meisten?
Auf das Speed-Dating. Auf der Messe wird es für alle Besucher:innen die Möglichkeit geben, sich einen kurzen kostenlosen Slot zu buchen, um 10 bis 15 Minuten mit mir über ein persönliches Schreib-Problem zu sprechen. Das finde ich unheimlich spannend, weil ich nicht weiß, was da alles kommt.
In so kurzer Zeit kann kaum ein ganzer Roman entworfen werden, aber zumindest einen Anstoß sollen die Leute schon mitnehmen. Ich mag solche Situationen, wenn ich schnell reagieren und mich auch ein bisschen aus dem Fenster lehnen muss. Das ist aufregend und ich genieße es sehr – auch wenn ich die Nacht vorher vor Lampenfieber nur schwer einschlafen kann.
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